• Kurzbio

    Fabian Bechtle, geboren in Berlin, studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) sowie an der École nationale supérieure des beaux-arts de Lyon. Im Anschluss an sein Meisterschülerstudium war er von 2014 bis 2017 künstlerischer Mitarbeiter in der Klasse für Installation und Raum an der HGB Leipzig.

    Gemeinsam mit Leon Kahane leitet er das Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst (Forum DCCA), das beide 2018 gründeten. Das Forum versteht sich als Ort künstlerischer Kulturkritik und entwickelt in Kooperation mit Kulturinstitutionen Projekte und Begleitprogramme zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen. 2026 konzipierten und kuratierten Fabian Bechtle und Leon Kahane das Ausstellungsprojekt Projektionen auf den Osten (2026) im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) und im Schinkel Pavillon.

    Fabian Bechtles Arbeiten wurden unter anderem im HMKV Dortmund, im Kunstinstituut Melly in Rotterdam, im Museum of Yugoslav History in Belgrad, in der nGbK Berlin sowie in der Kunsthalle Osnabrück gezeigt. Seine konzeptuellen Videoarbeiten, die häufig in eigens entwickelten skulpturalen und räumlichen Settings präsentiert werden, setzen beispielsweise historisches und dokumentarisches Material in Beziehung zu politischen Umbrüchen und gegenwärtigen Konflikten.

  • Ausstellungen (Auswahl)

    2023

    Der Erlösungskomplex (forumdcca), Screening, Kunstsammlungen Chemnitz, Haus der Wannseekonferenz, Berlin und Haus am Lützowplatz, Berlin

    2022

    Walhalla to Birkenau (forumdcca), Kunsthalle Osnabrück

    2021

    Forum TV (forumdcca), Traklhaus Salzburg; Demo, Mode, Society (mit Leon Kahane), ASPN, Leipzig

    2020

    Forum Infoclips, Kunstsammlung NRW, K21 (online); Antimoderne Kontinuitäten, Weserburg, Bremen (online); 25 von 78 – Internationale Medienkunst, HMKV Dortmund

    2018

    TOUCH – Filmprogramm 1 »Formen – Zeigen«, nGBK, Berlin; Video des Monats, HMKV, Dortmund

    2017

    Operation Grenze, Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn; Dual-Use, Asia Contemporary Art Platform NON BERLIN

    2016

    Rome Was Built For A Day, Fabian Bechtle und Adriana Ramić, Witte de With, Rotterdam; Ideopolis (mit Leon Kahane), State of Concept, Athens; STATION Moves, MEINBLAU project space, Berlin; Staging Distance, Zeiss-Grossplanetarium Berlin; DAADSALON16 – Fabian Bechtle und Miodrag Krkobabic, KCGrad, Belgrad 

    2015

    Damaged Models, U10, Belgrade; The Hope Principle (6th Moscow Biennial project), Trekhgornaya Manufaktura, Moscow; MOVES#83, film screening Fabian Bechtle & Leon Kahane, Image Movement, Berlin; Republic of Boxes (mit Leon Kahane), uqbar, Berlin

    2014

    FirstLook, BSMNT, Leipzig; Travelling Communiqué, Museum of Yugoslav History, Belgrade; Journal of (Dis)satisfactions, Gallery Ferdinanda Baumanna, Prague; Zuflucht ins Andere – 20 Jahre Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop; Alternative Nomadi, Fabbrica del Vapore, Milano 

    2013

    Mediterranea 16, Split, MKC-Multimedia Center Split/ Dom mladih, Split; 12 Issues – Kunst in Edit 2009 bis heute, Volte Studio, Leipzig; After Year Zero – Geographies of Collaboration since 1945, Haus der Kulturen der Welt; Screening at Carichi Movie, Carichi Sospesi, Padua; Mediterranea 16. Young Artists Biennial, Mole Vanvitelliana, Ancona; The World is Stable Now, Galerie Alexander Levy, Berlin

    2012

    DESERTMED – A project about deserted islands of the Mediterranean, NGBK, Berlin; What Happened to the Museum of Contemporary Art Museum of Contemporary Art Belgrad, MOCAB; The History of Now, F/Stop Fotofestival, Leipzig; Double Bound Economies, Halle 14, Leipzig; Museum Night Belgrade (with Armin Linke), Goethe-Institut Belgrad; Double Bound Economies, Centre de la photographie Genève

    2011

    Meisterschülerausstellung, HGB Leipzig; Atelier, Pact Zollverein, Essen; Raumkontrolle, screening Maxim Gorki Theater Berlin; Exit Strategies (mit Leon Kahane), Artitude Kunstverein Berlin; Berliner Zimmer Genossen, Funkhaus Nalepastraße, Berlin; Benchmarking, Galerie dieschönestadt, Halle; La vie en général, Galerie Greulich, Frankfurt a.M.; Blockade II, Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

    2010

    Pavilion X, Jakopic Gallery, Ljubljana; Little Disco, Späti International, Berlin; Facing Fear – Sotiri International Prize for young photographers, Cultural centre Korça; BASEL LESBAR – Begehrte Grenze, screening bblackboxx Basel; Sundowner, VLASAKcontemporary, Berlin; heiter bis wolkig, Galerie der Künstler München; Präsentation Edition Naehring, GfzK, Leipzig

  • Forum DCCA, 2018 – heute

    Das Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst (Forum DCCA) ist ein Ort für künstlerische Kulturkritik. In Kooperation mit Kulturinstitutionen produzieren wir Formate, die sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten sowie kulturellen Kontinuitäten von Antisemitismus und antimodernen Weltbildern auseinandersetzen. Wir realisieren Begleitprogramme, öffentliche Diskussionsformate und Ausstellungen, produzieren künstlerische Beiträge und publizieren Debattenbeiträge.

    Bisherige Aktivitäten des Forums umfassten u.a. die Tagung „Antisemitismus als Kontinuität kulturpessimistischer Weltbilder“ im Neuen Berliner Kunstverein (2018), die Diskussionsveranstaltung „um des lieben Frieden willen“ im Museum der bildenden Künste Leipzig (2019), die Diskussionsreihe „Kontinuitäten des Antisemitismus“ in der Volksbühne Berlin (2019-21), die Videovorträge „Antimoderne Kontinuitäten“ für das Weserburg Museum für Moderne Kunst in Bremen (2020), die Produktion der „Forum Infoclips“ im Rahmen der Ausstellung „I will survive“ von Hito Steyerl im Düsseldorfer K21 (2020/2021), die Ausstellung „Forum TV“ im Traklhaus Salzburg (2021), der Podcast „Antisemitismus im Kunstfeld“ (2021), die Filmproduktion „Freiham/Neuaubing“ für das Projekt Departure Neuaubing des NS-Dokumentationszentrums in München (2022),  die Austellung „Walhalla to Birkenau“ in der Kunsthalle Osnabrück (2022), die Filmproduktion „Der Erlösungskomplex“ für die Tagung „Von der Kunstfreiheit gedeckt?“ im Haus der Wannseekonferenz (2023) sowie weitere Filmvorführungen von „Der Erlösungkomplex“ u.a. in den Kunstsammlungen Chemnitz (2023), dem Haus am Lützowplatz, Berlin (2023), Kunsthochschule Burg Giebichenstein (2024), Kunstverein Dresden (2025) und das mehrteilige Ausstellungs-, Diskurs- und Publikationsprojekt „Projektionen auf den Osten“ im Neuen Berliner Kunstvereinund im Schinkel Pavillion (2026).

  • Projektionen auf den Osten, 2026

    Ausgehend von der Beobachtung, dass der „Osten“ verstärkt als kulturelle, ästhetische und politische Projektionsfläche dient, thematisiert das mehrteilige Ausstellungs-, Diskurs- und Publikationsprojekt Projektionen auf den Osten die ideologischen Zuschreibungen, die sich an die Begriffe „Ost“ und „West“ knüpfen.

    Eröffnung: 9. September 2026, 18 Uhr (n.b.k. & Schinkel Pavillon)

    Laufzeit: 10. September – 8. November 2026 (n.b.k.) 10. September – 20. Dezember (Schinkel Pavillon)

    Internationale Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Autor*innen setzen sich mit historischen und gegenwärtigen Konfliktlinien auseinander – von der DDR-Erinnerungspolitik über Antisemitismus und postsozialistische Transformationen bis hin zu aktuellen geopolitischen Spannungen. Im Zentrum steht die Frage, wie die Dichotomie von „Ost“ und „West“ unsere Gegenwart strukturiert. Der „Osten“ ist nicht nur eine geografische Bezeichnung. Er nimmt als Chiffre auch die Rolle einer kulturellen und politischen Projektionsfläche ein, auf die sich sehr unterschiedliche Vorstellungen richten: Er gilt als Gegenbild zum „Westen“ oder als Ort einer vermeintlich ursprünglicheren und unverstellten Identität. Zugleich ist er Schauplatz realer historischer und gegenwärtiger Konflikte. Projektionen auf den Osten nimmt dieses Verhältnis aus Zuschreibungen und Realitäten zum Ausgangspunkt und thematisiert einen idealisierten „Osten“ als kulturellen Gegenentwurf zu einem hegemonialen „Westen“.

    „Projektionen auf den Osten“ bezeichnen kulturelle Identifikationen mit allem, was als Gegenbild zum „Westen“ erscheint. Sie richten sich gegen eine als komplex, plural und modern wahrgenommene Gegenwart und verbinden sich mit Vorstellungen von Ursprünglichkeit, Gemeinschaft, Spiritualität oder moralischer Überlegenheit. Im deutschen Kontext hat das zwiespältige Verhältnis von „Ost“ und „West“ kulturhistorisch immer wieder zu großen Identitätskrisen geführt. Aber auch global dient der „Osten“ zunehmend als gegenkulturelle Projektionsfläche. Traditionelle Kulturvorstellungen, nationale Souveränität und autoritäre Staatsformen werden liberalen Demokratien als vermeintlich stärkere und authentischere Alternativen entgegengesetzt. So wird der „Osten“ zu einer kulturellen Konstruktion. Auf ihn werden Ideologien, Sehnsüchte und Utopien projiziert, die häufig mehr über diejenigen erzählen, die sie hervorbringen, als über den „Osten“ selbst. Solche Projektionen überlagern oft die tatsächlichen Konflikte, die sie eigentlich sichtbar machen könnten. Wer sich etwa auf autoritäre gesellschaftliche Ordnungen beruft, in denen Widersprüche nicht öffentlich verhandelt werden, verwechselt leicht die Abwesenheit von Debatte mit der Abwesenheit von Konflikt. Besonders deutlich wird dies an konkurrierenden Vorstellungen von Freiheit: Während die einen im „Osten“ eine Alternative zu einer als zu tolerant und offen empfundenen „westlichen“ Ordnung suchen, gilt anderen der „Westen“ selbst als eigentlicher Hort der Unfreiheit. In beiden Fällen entsteht ein idealisiertes Bild, das den „Osten“ weniger beschreibt denn erfindet.

    Die Ausstellungen im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) und im Schinkel Pavillon untersuchen, wie sich diese Projektionen in Bilder, Sprache und ästhetische Formen einschreiben und welche politischen Folgen sie entfalten können. Im realpolitischen Raum materialisieren sie sich in Machtverhältnissen, territorialen Ansprüchen und gewaltsamen Konflikten. Gerade Kriege und geopolitische Krisen zeigen, wie starre Vorstellungen die Wahrnehmung bestimmen sowie politische Wirklichkeit hervorbringen und legitimieren. Der n.b.k. und der Schinkel Pavillon präsentieren historische und zeitgenössische Kunstwerke sowie eigens für das Projekt entwickelte Neuproduktionen. Internationale Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Autor*innen setzen sich mit historischen und gegenwärtigen Konfliktlinien auseinander – von der Erinnerungspolitik der DDR über Antisemitismus und postsozialistische Transformationen bis hin zu aktuellen geopolitischen Spannungen. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler befragen den „Osten“ als eine Projektionsfigur, in der sich Identität, Geschichte und politische Ordnung verdichten. Ihre Arbeiten untersuchen auf unterschiedliche Weise, wie Bilder, Sprache und Ästhetik an der Konstruktion von „Ost“ und „West“ mitwirken. Im Zentrum steht die Frage, wie diese Dichotomie unsere Gegenwart bis heute strukturiert. Nicht zuletzt richten die Ausstellungen den Blick auf die Kunst selbst: Auch sie ist nicht frei von Projektionen und Idealisierungen. Wo verläuft die Grenze zwischen Kritik und Sehnsucht, zwischen Widerstand und Romantisierung? Und was wird sichtbar, wenn wir nicht nur auf den „Osten“ blicken, sondern die Projektionen selbst zum Gegenstand machen?

    Begleitend zu zwei Ausstellungen im n.b.k. und im Schinkel Pavillon führen eine Publikation sowie eine Projektwebseite die künstlerischen Positionen, Forschungsperspektiven und Diskursbeiträge zusammen. Ein umfangreiches Diskursprogramm vertieft die inhaltlichen Fragestellungen zusätzlich.

    mit, Anca Benera & Arnold Estefán, Pavel Brăila, Ana Hoffner ex-Prvulovic*, Maksym Khodak, KwieKulik, Helmar Lerski, Maria Lisogorskaya, Shlomo Pozner, Xavier Robles de Medina, Maya Schweizer, Andrzej Steinbach, Gabriele Stötzer, Hito Steyerl, Mikhail Tolmachev, Jasmin Werner und Anastasiya Yarovenko.

    Projektionen auf den Osten ist ein Projekt des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) in Kooperation mit dem Schinkel Pavillon, konzipiert von Fabian Bechtle und Leon Kahane.

    Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

  • FPV Alweraje, 4k Video, 00:09:11, 2026

    FPV ALWERAJE explores memory in a present marked by profound political and technological upheaval. Its starting point is Esch – a site of industrial history and resistance in the heart of Europe. An FPV drone traverses former steelworks and sites of collective memory. The rapid, social media-inspired visual language encounters historical narratives, creating a deliberate friction between pop culture and the politics of memory. A pivotal rupture occurs through an AI-generated song in which inscriptions from the Musée National de la Résistance et des Droits Humains—also located in Esch—are reinterpreted by the AI. Meaning shifts; language and sound are thrown into disarray. Between pathos and its subversion, between past and present, FPV ALWERAJE paints a picture of Europe in which memory is not static, but contested—and politically effective.

    FPV ALWERAJE, 9min36, 2026

    The film was made as part of The Esch Clinics, a project by Cultures of Assembly, curated by Markus Miessen & César Reyes Najéra. The associated residency program has been made possible thanks to the kind support of the City of Esch, Konschthal, and Bridderhaus.

    Thanks to the Amicale Schëfflenger Kolonien and the team of Musée de la Sidérurgie “De Schmelzaarbechter”. For years they have been collecting tools, artefacts, and documents with the aim of preserving the memory and honouring the work of steelworkers.

    And thanks to Franka Bechtle, Yves Biwer & Claire Faber (Agora s.à r.l. et Cie), Lilly, Markus Miessen, César Reyes Najéra, Mechthild Schmidt, Lorenz Thierse, and Anastasiya Yarovenko.

    Music, vocals, and speech generated by AI.

    © Fabian Bechtle and Leon Kahane / Forum Democratic Culture and Contemporary Art (Forum DCCA)

    Berlin / Esch-sur-Alzette 2026

    Download project draft FPV ALWERAJE

    COA aims to facilitate productive dialogues between the urban past, present and future, as well as between the various publics and individuals who engage with and shape them. COA collaborates with a large group of internationally renowned experts, researchers and practitioners from a range of fields.

    COA team: Markus Miessen, César Reyes Nájera, Marija Maric, Hannes Grasegger

    At the invitation of COA, Fabian Bechtle and Leon Kahane are working on FPV ALWERAJE.

  • Verschiedenes 01-07, Archivpigmentdrucke, Maße variabel, 2024

    Die sieben Fotografien zeigen dasselbe Fragment aus wechselnden Perspektiven. Aus der Nähe werden Papierfasern, unterschiedliche Färbungen und vereinzelt Buchstaben sichtbar. Die ursprünglichen Informationen sind zerstört und ihr Material ist geblieben. Das Objekt ist das unmittelbare Ergebnis dieser Vernichtung. „Verschiedenes 01-07“ zeigt in sieben Aufnahmen ein Stück sogenannter Kollermasse. Sie stammt aus der ehemaligen Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Leipzig. In den letzten Monaten der DDR vernichtete die Stasi große Mengen von Akten. Um in möglichst kurzer Zeit besonders große Mengen unwiederbringlich zerstören zu können, wurden diese Dokumente zerkleinert und mit Wasser versetzt.In einer Gegenwart, in der nostalgische und geschichtsrevisionistische Erzählungen über die DDR erneut an Raum gewinnen, erhalten solche Materialien eine besondere Bedeutung. Sie erinnern an die staatliche Gewalt, die durch die Akten dokumentiert wurde, stehen aber auch für die Gewalt, die eben diese Erinnerung zu beseitigen suchte.

  • Das Palmenhaus ist abgebrannt, 4k Video, 00:14:39, 2022

    in Zusammenarbeit mit Leon Kahane, eine Forum DCCA Produktion für die Ausstellung „Walhalla to Birkenau“ in der Kunsthalle Osnabrück, 2022

    Der Film wurden an drei Orten gedreht, die exemplarisch sind für die Mystifizierung der sogenannten Kulturnation Deutschland sind und Bezüge zur deutschen Romantik aufweisen: in Walhalla im Donautal, im Bayreuther Ruinentheater sowie auf der Pfaueninsel in Berlin. Ergänzt werden diese Aufnahmen durch Bilder aus Computerspielen, die eine romantische Bildästhetik von Asien aus weltweit popularisiert. Im Bayreuther Ruinientheater trägt die Künstlerin Verena Dengler ein vom Forum geschriebenes Lied vor, welches auf das antisemitische Propagandastück “MasKomYa” verweist. Das Stück wurde vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geschrieben.

    Soundtrack: Yanling Sprecherin: Jette Kupke / Animation: Maximilian Schmoetzer / Tonabmischung: Alex Stötzner / Übersetzung: Lydia-Marie Lafforgue

  • Encounter, 4k Video, 00:04:50, 2017 

    Ausstellungsansicht: Operation Grenze, Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, 2017 

    Encounter inszeniert die Begegnung von völlig unterschiedlichen traditionellen und politischen Konzepten. In der Dauerausstellung der Spandauer Zitadelle liegt der monumentale Granitkopf des 1992 abgebauten Lenin-Denkmal auf der Seite. Eine für das Video engagierte Masseurin unterzieht ihn einer vitalisierenden Kopfmassage und zeichnet gleichzeitig die Form der Skulptur nach. Encounter habe ich für eine Intervention in der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn entwickelt und einen leeren Platz auf der Monitorwand der Dauerausstellung mit der Arbeit bespielt.

  • Ein direktes Vorbild körperlichen Einsatzes, HD Video, 00:01:48, 2016

    Der Titel Ein direktes Vorbild körperlichen Einsatzes ist der Bauakte des Berliner Denkmals für die Interbrigadisten entnommen. Für das Denkmal schuf der Bildhauer Fritz Cremer eine Bronzefigur, ein Kämpfer im Soldatenmantel, die sich im Sprung befindet. Für meine Videoperformance suchte ich verschiedene vergleichbare Orte in Berlin auf.

  • Master Scan, HD Video, 00:09:00, 2016 & Signatures, Regale, CNC-gefrästes Fries, diverse Materialien, 2016

    in Zusammenarbeit mit Adriana Ramić und Marie Egger

    Die Ausstellung Rome Was Built For A Day zeigt vom Kunstinstitut Melly (Rotterdam) in Auftrag gegebene Arbeiten, die sich mit der Geschichte der Institution beschäftigen. Fabian Bechtle behauptet in seinem Beitrag die Existenz eines umfassenden Archivs und arrangiert diverse, in den Büros der Mitarbeiter*innen gesammelte Materialien in Regalen und Boxen im Ausstellungsraum. 

    Die Videoarbeit Master Scan filmt dieses Setting. Als Vorbild und Kontrapunkt für die Videoarbeit dient Alain Fleischers Dokumentation über Brancusi. In Fleischers Film wird das Atelier von Brancusi äußerst subjektiv und nahezu in auratischer Weise ins Licht gesetzt. Master Scan unternimmt dazu den Versuch, die Behauptung eines physischen Archivs mit der eines digitalen Archivs zu verknüpfen. Stellvertretend hierfür steht die Figur einer Trinity-ähnlichen Archivmitarbeiterin aus der Zukunft. Master Scan beginnt und endet mit einer violetten Blende. Die Farbe bezieht sich auf ein Setup von Pierre Bismuth, der für seine Einzelausstellung im Jahr 1997 die Fenster des Ausstellungsraums mit einer Folie versah, um Projektionen und den Blick nach außen zu ermöglichen. Unterlegt ist das Video mit einer Tonspur, die sowohl verlangsamte Töne der Originalaufnahme beinhaltet als auch eine kurze, für das Video eingesungene Sequenz von Corey Harts Lied „Sunglasses at Night“: „I wear my sunglasses at night, so I can, so I can watch you weave then breathe your storylines…“

    Für die Ausstellung im Kunstinstitut Melly installierte Fabian Bechtle ein CNC-gefrästes Fries an dem im Ausstellungsraum befindlichen Regal. Signatures zeigt die Unterschriften aller Direktor*innen des Kunstinstitut Melly (ehem. Witte de With). Die Vorlagen wurden aus dem Briefverkehr, der sich auch in den ausgestellten Boxen und/oder in den Ordnern im Regal befindet, zusammengestellt, gescannt und in Vektoren überführt. Mit Signatures verkürzt Fabian Bechtle die Geschichte der Institution auf die Abfolge der Leitungspositionen und thematisiert dadurch metaphorisch die Handschrift, Originalität und Hegemonie des institutionalisierten kuratorischen Handelns, zeigt zugleich aber auch den Wandel in der inhaltlichen Ausrichtung der Institution.

    master scan, HD, 9min, 2016

  • Secret.Service, HD Video, 00:08:20, 2015

    „Secret.Service“ beschäftigt sich mit dem Prozess und dem Endprodukt der physischen Vernichtung sensibler Daten. Die Arbeit dokumentierte diesen Prozess bei einem der größten europäischen Anbieter von Büroabfalllösungen sowie Akten- und Datenvernichtung. Unter dem Slogan „secret.service“ werden hier Akten unter höchsten Sicherheitsstandards gesammelt und zu tonnenschweren Blöcken aus geschredderten Akten gepresst. Sogar der Feinstaub in der Produktionshalle wird angesaugt und zu Objekten verdichtet, die in ihrer Form an Bohrkerne erinnern.

    Installationansicht im Rahmen der Ausstellung „Staging Distances“, Zeiss-Großplanetarium, Berlin, 2016

    Diaprojektion im Rahmen der Ausstellung „Republic of Boxes, uqbar, Berlin 2016 (Tapete, Holzrahmen, Diaprojektior)

  • Parade, HD Video, 00:03:50, 2015

    Die Arbeit entstand für ein Ausstellungsprojekt des Österreichischen Kulturforums im Rahmen der Moskau-Biennale 2015, kurz nach der Besetzung und Annexion der Krim durch Russland. Parade rückt ein Detail russischer Paradewagen ins Zentrum: den im Inneren angebrachten Haltegriff, dessen Stabilität die Inszenierung ganzer Staatsrituale sicherte. Im Video wird diese Präsentation durch einen Clip unterbrochen: Ein Junge steht in einem Cabriolet vor einer Birkenkulisse und singt im Playback ein russisches Schlaflied. Der Haltegriff verweist auf die verborgenen Stützsysteme autoritärer Inszenierungen, während die kindlich-nostalgische Gesangseinlage deren ideologische Aufladung sichtbar macht. Beide Teile des Videos wechseln sich durch einen immer wieder startenden Countdown ab.

  • Camoufleurs, HD Video, 00:07:32, 2014

    Die Videoarbeit entstand 2014 und versammelt Strassenszenen, die Passanten in Camouflage-Kleidung zeigen. Die Aufnahmen aus Berlin und Belgrad sind aus großer Distanz, mit einem starken Teleobjektiv aufgenommen und in Zeitlupe wiedergegeben. Camouflage-Muster besitzen eine Geschichte an der Schnittstelle von Kunst und militärischer Technik. Bereits im Ersten Weltkrieg waren Künstler an der Entwicklung von Tarnverfahren beteiligt. Um 2014 erlebte Camouflage eine Konjunktur in der Alltagsmode und wurde zum Massentrend. Im selben Jahr besetzte und annektierte Russland die Krim, und der Krieg im Donbas begann. Damit verweist die Arbeit auf die Gleichzeitigkeit der Popularität militärischer Muster im zivilen Alltag als urbane Uniform und einer näher rückenden Gegenwart des Krieges. In einer Sequenz spielt ein Junge im Camouflage-Pullover auf seinem Handheld. Die Szene verweist auf eine zunehmende Hybridisierung des Krieges, in der sich militärische Realität, Kultur und virtuelle Räume durchdringen.

  • Jablanica Collection, HD Video, 00:18:00, 2014

    In Jablanica (Bosnien-Herzegowina) wird exemplarisch die Überlagerung von Gewaltgeschichte deutlich. Der Komplexität des Ortes näherte ich mich durch Interviews und dokumentarische Filmaufnahmen. Diese kombinierte ich mit Fotografien aus dem Pressearchiv von Josip Broz Tito und mit gefundenem Filmmaterial. Das daraus entstandene Videoessay Jablanica Collection zeigt diese parallelen Ebenen von Geschichte, ihr fiktionales Potenzial sowie ihre Kontinuitäten und Brüche.

    Jablanica Collection (Trailer)

    Jablanica Collection ganzer Film: https://vimeo.com/119967911

    Installationsansicht im Rahmen der Ausstellung „Travelling Communiqué“, Museum für Jugoslawische Geschichte, Belgrad, 2014

  • Unit 01 (Einstellung), 2013

    „Unit 01 (Einstellung)“ ist der Prototyp einer Performance. Im Zentrum steht ein einfaches, aus Holz und Scharnieren konstruiertes Gerät, an dem eine Kamera befestigt ist. Die Konstruktion begrenzt deren Bewegungsmöglichkeiten und gibt bestimmte Drehungen, Neigungen und Blickrichtungen vor. Während der Performance bewege ich die Kamera entlang eines zuvor festgelegten Ablaufs. In der hier dokumentierten ersten Version findet die Performance während der Eröffnung einer Gruppenausstellung statt. Ein Monitor überträgt das Kamerabild unmittelbar in den Raum. Zu sehen sind sowohl die anwesenden Besucher als auch der Ausstellungsraum selbst. Personen erscheinen teilweise im Ausschnitt, gekippt oder nur für kurze Momente im Bild. Auch der Raum wird fragmentiert und aus wechselnden Perspektiven sichtbar. Der Bildausschnitt wird durch die mechanischen Möglichkeiten des Geräts und den festgelegten Ablauf bestimmt. Auch die Begegnung zwischen Performer und Publikum findet vermittelt durch das Gerät statt. Gleichzeitig wird die subjektive Handlungsmöglichkeit des Performers bewusst eingeschränkt. Die Aufführung dient nicht dem persönlichen Ausdruck oder der spontanen Reaktion auf die Situation, sondern der Bedienung des Apparats. Das Prinzip ermöglicht es, dieselbe Abfolge von Kamerabewegungen an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen sozialen Situationen zu wiederholen. „Unit 01 (Einstellung)“ ist als Prototyp angelegt, dessen Apparatur weiterentwickelt und um zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten erweitert werden kann. Für die Arbeit verlagere ich die künstlerische Entscheidung über die Einstellung und die eigenen Bewegungsabläufe auf die Bedingungen, die das von mir entworfene Objekt vorgibt.

  • Permanent Exhibition, HD Video, 00:14:00, 2012

    Ich bat den Historiker und Kurator Dejan Stretenović, seine Tour von 2007 durch das seit Jahren leerstehende Belgrader Museum für Zeitgenössische Kunst noch einmal für die Kamera nachzuvollziehen. 2012 führt er, allein aus seiner Erinnerung, durch den Museumsbau. Ergänzend zeigt Permanent Exhibition kleine, von mir ausgeführte Eingriffe: Ich schlage einen Nagel in die Wand, putze ein Fenster, rücke Ausstellungsmobiliar zurecht und befestige herabgefallene Titelschilder. So mache ich einen für die Öffentlichkeit unsichtbaren Raum sichtbar, verweise auf die Abwesenheit der Kunstwerke und thematisiere zugleich den baulichen Zustand des Gebäudes. Gezeigt wurde das Video 2012 im temporär „wiedereröffneten“ Belgrader Museum.

    Videostills, Permanent Exhibition

    Installationsansicht, Permanent Exhibition , Museum of Contemporary Art Belgrade, 2012

  • A First Visit To Tito‘s Photographic Cabinet, Videointerviews, Siebdrucke, 2011 – 2012

    in Zusammenarbeit mit Armin Linke, Installationansichten f/stop Leipzig, 2012.

    Armin Linke und Fabian Bechtle reaktivieren ein umfangreiches Archiv von Fotoprotokollen aus der Sammlung des Museums für Jugoslawische Geschichte in Belgrad. Zwischen 1948 und 1980 dokumentierte eine kleine Gruppe von Fotografen aus dem Umfeld Titos die offiziellen Anlässe und Reisen des Staatspräsidenten quer über den Globus und schuf dabei ein Konvolut von rund über 160.000 Bildern. Bechtle und Linke bringen das Archiv mittels verschiedener Techniken zur Aufführung. (Thilo Scheffler)

  • Fototeka, Installation, Goethe-Institut Belgrad, 2012

    In Zusammenarbeit mit Armin Linke zeigten wir zur Belgrader Museumsnacht Teile des fotografischen Archivs des Museums für Jugoslawische Geschichte im Goethe-Institut Belgrad. Das funktionale Mobiliar des Instituts wurde dabei zum Display für Videointerviews, dokumentarische Aufnahmen der Archivräume und Reproduktionen von Bildern aus dem Archiv. Die Installation markierte den Auftakt einer längerfristigen Forschung zur Fotothek des Museums, die sich vor allem den Aufnahmen von Josip Broz Titos Pressefotografen widmete. Am Ende dieser Beschäftigung stand die Ausstellung „Travelling Communiqué“ im Belgrader Museum für jugoslawische Geschichte.

    First Visit to the Fototeka (with Ivan Manojlovic, Mirjana Slavkovic, Armin Linke and Milica Tomic), HD Video 4:40 min, 2012